Ob eine Ausbildung gut gelingt, entscheidet sich oft an vermeintlich einfachen Grundlagen. Mathematik, logisches Denken und soziale Kompetenzen prägen den Arbeitsalltag stärker, als es auf den ersten Blick scheint. Fehlen diese Fähigkeiten, steigt der Unterstützungsbedarf auf beiden Seiten. Eine aktuelle Studie zeigt, wo Lehrlinge und Ausbildungsbetriebe besonders großen Handlungsbedarf sehen.
Bei Mathematik sind sich Lehrlinge und Ausbildungsbetriebe weitgehend einig, dass sie zu den wichtigsten Voraussetzungen in technischen Berufen zählen. Entscheidend ist dabei weniger komplexes Schulwissen als die sichere Anwendung im Alltag. Logisches Denken, Grund- und Prozentrechnen, das Umrechnen von Einheiten sowie der Umgang mit Formeln helfen dabei, technische Zusammenhänge zu verstehen und Aufgaben selbstständig zu lösen.
Deutlich größer ist die Wahrnehmungslücke bei den sozialen Kompetenzen. Ausbildungsbetriebe messen ihnen wesentlich mehr Bedeutung bei als die Lehrlinge selbst. Für knapp neun von zehn Lehrlingsbeauftragten gehören sie zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung.
Im Mittelpunkt stehen Teamfähigkeit, Kommunikation, Verlässlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Konfliktfähigkeit. Fachwissen allein macht damit noch keinen erfolgreichen Lehrling. Entscheidend ist auch, wie junge Menschen zusammenarbeiten, Verantwortung übernehmen und mit Feedback umgehen.
Lehrlinge beurteilen ihre eigenen Fähigkeiten in mehreren Bereichen positiver als ihre Lehrlingsbeauftragten. Das ist nicht ungewöhnlich, macht aber deutlich, wie wichtig eine gemeinsame und möglichst realistische Einschätzung des aktuellen Kompetenzstands ist.
Je früher Stärken und Entwicklungsfelder sichtbar werden, desto gezielter kann Unterstützung ansetzen. Genau darin liegt eine wichtige Chance für die betriebliche Ausbildung.
Auch die Vorbereitung durch Bildungseinrichtungen wird von beiden Seiten kritisch beurteilt. Besonders bei Mathematik und sozialen Kompetenzen sehen die Befragten Verbesserungspotenzial. Ausbildungsbetriebe bewerten die Ausgangslage dabei meist kritischer als die Jugendlichen selbst.
Für die Praxis bedeutet das, dass nicht alle Lehrlinge mit denselben Voraussetzungen starten. Was zu Beginn kaum auffällt, kann später im Arbeitsalltag zum Hindernis werden.
Künstliche Intelligenz ist längst Teil der öffentlichen Diskussion, spielt in der Ausbildungspraxis derzeit jedoch noch eine geringere Rolle als klassische Basiskompetenzen.
Gerade deshalb sollte die Reihenfolge stimmen: Wer KI und digitale Werkzeuge sinnvoll einsetzen will, braucht logisches Denken, Sprachverständnis, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, Ergebnisse kritisch zu beurteilen. Neue Technologien ersetzen diese Fähigkeiten nicht, sondern bauen auf ihnen auf.
Die vielleicht positivste Botschaft der Studie: 79,7 Prozent der Lehrlinge wollen ihre Kompetenzen verbessern, 95 Prozent der Lehrlingsbeauftragten möchten sie dabei unterstützen.
Damit ist eine wichtige Voraussetzung gegeben. Die Frage ist weniger, ob Kompetenzentwicklung notwendig ist, sondern wie früh und praxisnah sie in die Ausbildung integriert wird.
Soziale Kompetenzen, Mathematik und Deutsch gehören laut Studienzusammenfassung zu den entscheidenden Grundlagen für Lehrabschluss und späteren Berufserfolg.
Fehlen diese Fähigkeiten, kann Ausbildung für beide Seiten unnötig mühsam werden. Werden Entwicklungsfelder dagegen früh erkannt und gezielt gestärkt, profitieren Lehrlinge ebenso wie Ausbilder:innen. Genau darin liegt das Potenzial moderner Lehrlingsausbildung.
Die Studie entstand unter Beteiligung der Skills Club Academy, BMM, Studyly und INTELLEXI.
Entdecken Sie die vollständigen Ergebnisse, weitere Auswertungen und Hintergründe zur Studie.
Die gesamte Studie finden Sie unter nachfolgendem Link:
Studie Basiskompetenzen Lehrlinge
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